DIGITALE TRANSFORMATION – Reicht es, Trends zu folgen?

DIGITALE TRANSFORMATION – Reicht es, Trends zu folgen?

Um Trends und Trenddenken entwickelt sich ein Hype.

Zukunftsbilder geben Orientierung für eintretende Veränderungen. Es werden Schulungen für „Master of Future Administration“ angeboten.

Die aktuelle Schnelllebigkeit schürt den Bedarf Veränderungen gezielt voranzutreiben. Die Suche nach Trendwissen und Expertise für die Organisation von Wandel intensiviert sich. Zahlreiche Beispiele unterstreichen: Unsere Kulturregion steht vor einer erheblichen Herausforderung! Wir erleben rapide Umbrüche. Veränderungen finden teilweise schneller statt, als sie durch vermeintliche Experten erklärt werden können.

Eine mögliche Erklärung hierfür erschließt ein Blick auf unseren Wurzeln und unsere kulturellen Werte: Sie gründen auf langfristigen, kontinuierlichen Entwicklungen.

Zu Beginn der Industrialisierung entwickelten Unternehmer erste Geschäftserfolge, indem bisherige Handwerklichkeit industriell skaliert wurde. Im Wesentlichen: „Mehr vom Gleichen“, beschleunigt durch konstante Rahmenbedingung, gepaart mit der Zerlegung komplexer Vorgänge in standardisierte Einzelschritte. Dieser Grundgedanke behielt über Generationen hinweg seine Gültigkeit. Der Grundansatz „Produziere größere Stückzahlen günstig und zuverlässig“ wurde zu einem Erfolgsmodell. Kinder und Kindeskinder standen jeweils vor der Herausforderung der „Modernisierung“, doch das Grundprinzip konnte über Generationen gleichbleiben.

Branchenabhängig gehört die Phase der Industrialisierung inzwischen der Vergangenheit an. Es gibt kaum mehr eine Branche, die nicht disruptiert wurde. Nur noch wenige Branchen haben EIN Geschäftsmodell. Zahlreiche Branchen verfolgen bereits heute mehrere parallele Geschäftsmodelle. War in der Vergangenheit die Produktion der Erfolgsgarant ist es heute das frühzeitige Wissen um stattfindenden Wandel innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette. Beginnend von der Ressourcenbasis bis hin zu jedem einzelnen Stakeholder.

Worin begründet sich der tatsächliche Wertbeitrag?
Welche Bedürfnisse werden direkt oder indirekt angesprochen?

 

Trends: Orientierung für Zukunftsfähigkeit?

Nahezu im Gleichklang appellieren Autoren an die Verantwortlichen der Unternehmen Zukunftspotenziale durch die Arbeit mit Trends zu erschließen. Vorgehen und Intension klingen durchaus plausibel. Ist dem so?

Erlauben Sie an dieser Stelle zur Verdeutlichung der Aussage eine polarisierende Darstellung:
Welche Voraussetzung muss erfüllt sein, um einen Trend benennen zu können? Die Entwicklung muss bereits eingesetzt haben – sonst könnte der Trend ja nicht benannt werden.
Wenn die Entwicklung jedoch bereits eingesetzt hat – und wir in Zeiten nichtlinearer Entwicklungen leben – können wir dann anhand des benannten Trends die Zukunft überhaupt antizipieren? Bereits die für die Evolution unerhebliche Aufweitung des Betrachtungszeitraumes um eine Generation zeigt, vor welchem Grunddilemma wir stehen:
Alles, was wir heute als selbstverständlich ansehen, war zu erheblichen Anteilen vor zwei Generationen noch unglaublich, wenn nicht insgesamt unvorstellbar. Die Ausstattung von Science Fiction Filmen der 80er Jahre wirkt gegenüber heutigen technischen Möglichkeiten veraltet. Lebenswelten, die in „Das fünfte Element“ noch befremdlich wirken sind heute in Asien bereits gelebte Realität.

Wird es besser, wenn wir Trends und Expertenwissen multidimensional verknüpfen?
Bestimmt! Szenariotechniken können uns große Dienste erweisen.
Durch die komplexe Verknüpfung Expertengestützter Einzelaussagen können Aspekte die miteinander in Wechselwirkung stehen auf ihre Korrelation hin untersucht werden. So kann der Fokus auf mögliche Hebeleffekte gerichtet werden, die ein Mensch, auf sich alleine gestellt, so kaum erfassen könnte. Dieser Effekt wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass die intensivsten Hebeleffekte in der Regel durch die Verknüpfung bisher separat entwickelter Einzeldisziplinen entstehen. Die im Hintergrund ablaufenden Routinen erfordern erhebliche Rechenleistung und würden die Verknüpfungsfähigkeit der menschlichen Analytik schnell überfordern.

Brauchen wir also nur die noch leistungsfähigeren Rechenfarmen?
Voraussichtlich reichen diese nicht aus.

Die Szenariotechnik beschreibt seit Jahren das Phänomen von Singularitäten.
Dabei definiert der Betriff der Singularität ein unvorhersehbares und meist auch unwahrscheinliches Ereignis, dass das anschließende Ergebnis extrem schwierig bis hin zu nicht vorhersehbar macht. Dabei haben Singularitäten häufig einen derart ungewöhnlichen Ursprung, dass dieser außerhalb der Wahrnehmungsgrenze von Fachexperten liegt.

Hierzu gibt es gerade im Umfeld der Politik einige ungewöhnlich deutliche Beispiele:
Eine Sammlung von Zitaten aus der Zeit von Juni – Dezember 1989 zeigt, dass sich die Wiedervereinigung auch für Berufspolitiker nicht abgezeichnet hat:

  • „Die Mauer wird bei Fortbestehen der Gründe noch 50 oder 100 Jahre bestehen.“ – Erich Honecker, Juni 1989
  • „Nach vierzig Jahren Bundesrepublik sollte man eine neue Generation in Deutschland nicht über die Chancen einer Wiedervereinigung belügen. Es gibt sie nicht.“ – Gerhard Schröder, 11. Juni 1989
  • „Die Forderung nach der Wiedervereinigung halte ich für eine gefährliche Illusion. Wir sollten das Wiedervereinigungsgebot aus der Präambel des Grundgesetzes streichen.“ – Joschka Fischer, 27. Juli 1989
  • „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.“ – Erich Honecker, 6. Oktober 1989
  • „Die deutsche Frage steht derzeit als akute Frage der Wiedervereinigung entgegen aller Demagogie auch von Seiten rechter CDU- und CSU-Kreise, bei der auch der derzeitige hessische Ministerpräsident (Walter Wallmann) in populistischer Manier mitzieht, nicht auf der weltpolitischen Tagesordnung. Diejenigen, die derzeit von Wiedervereinigung daherreden, haben aus der Geschichte nichts gelernt und darum auch keine vernünftige realitätsnahe Perspektive. Zusätzlich unterminiert das Wiedervereinigungsgetöse alle Ansätze einer vernünftigen deutsch-deutschen Politik und geht… am Selbstbestimmungsrecht der Menschen hüben wie drüben vorbei.“ – Hans Eichel, SPD-Zeitschrift »Wir in Hessen« vom November 1989
  • „Ab sofort, unverzüglich!“ – die Grenze ist offen: 9. November 1989, 50 Uhr – Günter Schabowski, Sekretär des ZK der SED für Informationswesen, gibt die neue Reiseregelung bekannt.
  • „Wir können noch so viel von der Gemeinsamkeit in Deutschland reden – glauben werden die Menschen das erst, wenn sie ganz einfach zum Hörer greifen und wählen können und den gewünschten Partner am Apparat haben.“ – Helmut Kohl, 21. Dezember 1989
  • Oktober 1990: Tag der Wiedervereinigung

 

Ähnliche Muster auch im Fall des Deutschen Atomausstiegs:

  • /15. Juni 2000 – Die damalige rot-grüne Bundesregierung einigt sich mit der Energiewirtschaft auf einen Ausstieg aus der Kernkraft in Deutschland.
  • April 2002: Nachdem der Bundesrat am 1. Februar 2002 endgültig der Novellierung des Atomgesetzes zugestimmt hat, tritt das Gesetz in Kraft.
  • Oktober 2010 – Der Ausstieg vom Ausstieg: Nach einem heftigen Schlagabtausch im Bundestag drückt die schwarz-gelbe Bundesregierung mit knapper Mehrheit längere Laufzeiten für Atommeiler durch.
  • März 2011 – Japans Ostküste wird von einem schweren Erdbeben und Tsunami heimgesucht. Im Atomkraftwerk Fukushima löst dies eine Reihe katastrophaler Unfälle und schwerer Störfälle aus, bei der große Mengen radioaktiven Materials austreten.
  • März 2011 – Angesichts der Katastrophe setzt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die beschlossenen längeren Atomlaufzeiten für drei Monate aus. Acht vorwiegend ältere Meiler müssen noch im Sommer 2011 endgültig vom Netz. Die letzten sind Ende 2022 an der Reihe – dann soll Schluss sein mit der Atomkraft in Deutschland.
  • Dezember 2016 – Das Bundesverfassungsgericht spricht den Atomkonzernen wegen des beschleunigten Atomausstiegs nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 eine «angemessene» Entschädigung zu.

Aktuelle Entwicklungen legen nahe, dass in Zukunft das Phänomen von Singularitäten systematischer provoziert wird. Die Digitalisierung als beschleunigender Faktor führt dazu, dass bisher nicht zueinander in Wechselwirkung stehende Systeme angekoppelt werden.

 

Können zukünftige Szenariotechniken dieser Herausforderung gerecht werden?
Wenn Szenarien vergleichbar komplex aufgebaut werden können: Ja.

Momentan: Eingeschränkt.

 

Daher stellt sich die Frage, ob neben Trends und Szenariotechniken alternative Vorgehen existieren, die ergänzend zu Trendanalysen weitergehende Orientierung bieten.

Die Fachliteratur kennt seit den 60er Jahren Veröffentlichungen von Altschuller, Reichel, Thiel und weiteren, die Forschungserkenntnisse zu Entwicklungsmustern veröffentlicht haben.

Leider wird dieses Wissen kaum gelehrt.

Im Gegensatz zu Trends und Szenariotechniken beschreiben die Gesetze keine konkret stattfindenden Erscheinungen, sondern vielmehr die Charakteristik eines leistungsfähigeren Ansatzes.

Um es überspitzt zu formulieren: Trends benennen die Vergangenheit. Gesetzmäßigkeiten lassen die Zukunft antizipieren, bevor sie stattfindet.

Charakterisieren Experten einen aktuellen Entwicklungsstand, unterstützen Gesetzmäßigkeiten dabei, die relevanten Fragen zu stellen, um Zukunftspotenziale zu antizipieren.

Neben den Gesetzmäßigkeiten der Höherentwicklung gibt es weitere Frühindikatoren, die bevorstehenden Wandel signalisieren:

Beruht ein Ansatz auf „Mehr für mehr“ ist es eine Frage der Zeit.

Zeigen aktuelle Ausreizungsdiskussionen, dass Grenznutzen nahezu erreicht ist, ist es eine Frage der Zeit, bis neue Kriterien die Wettbewerbssituation neu definieren.

 

 

TAKE AWAY

Zusammengefasst, kommt es entscheidend darauf an, in immer stärker vernetzten Umfeldern die Argumentations- und Prognosesicherheit zu stärken. Trends reichen nicht aus. Szenariotechniken kommen im Umgang mit Singularitäten an ihre Grenzen.

Gesetzmäßigkeiten der Höherentwicklung bieten Orientierung, die über klassische Tools und Methoden hinausgehen. Sie eröffnen die Chance Entwicklungen zu antizipieren, die so noch nicht begonnen haben.

Gesetzmäßigkeiten sind abstrakter und daher übergreifender nutzbar. Umgekehrt erfordert die Arbeit mit Gesetzmäßigkeiten Abstraktionsfähigkeit. Die Geisteshaltung spielt eine entscheidende Rolle. Validierendes „Ja, aber“ – geht nicht, weil … führt zu evolutorischer Weiterentwicklung und zu „Trail and Error“ gesteuerten Prozessen. Progressives „Ja, und“ – wenn wir noch diese Herausforderung lösen, könnte es sogar gehen, forciert auf den Gedanken anderer Aufzubauen und gezielt aktuelle Grenzen zu hinterfragen.

 

 

Literatur

 

Die Unlogik der Innovation

 

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